Niederlassung Wetzlar Ansprechpartnerin: Frau Steuerberaterin Annett Falke

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Aktueller Hinweis

Diese Unterlagen können Sie in 2019 vernichten

Steuerpflichtige, insbesondere Kaufleute, sind gesetzlich verpflichtet, Unterlagen bzw. Belege aufzubewahren, wenn diese die Grundlage für die Buchführung und den Jahresabschluss bilden. Die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen betragen 6 oder 10 Jahre. Die folgenden schriftlich oder elektronisch erstellten Geschäftsunterlagen können somit im Jahr 2019 vernichtet werden:

  • Buchungsbelege, wie etwa Rechnungen, Lieferscheine, Steuerbescheide oder Kontoauszüge aus dem Jahr 2008 oder früher,
  • Inventare, die bis zum 31. Dezember 2008 aufgestellt worden sind,
  • Bücher, in denen die letzte Eintragung im Jahr 2008 oder früher erfolgt ist,
  • Jahres-, Konzern- und Zwischenabschlüsse, Eröffnungsbilanzen und Lageberichte, die 2008 oder früher aufgestellt wurden,
  • Lohnunterlagen für die Sozialversicherung bis zum Ablauf des auf die letzte Prüfung folgenden Jahres,
  • Lohnkonten und die in diesem Zusammenhang aufzubewahrenden Belege mit Eintragungen aus 2012 und früher,
  • erhaltene und versandte Handels- und Geschäftsbriefe, die 2012 oder früher erhalten oder versandt wurden oder
  • sonstige für die Besteuerung bedeutsame Belege, z.B. Ein- und Ausfuhrbelege, Mahnvorgänge sowie Grund- und Handelsregisterauszüge aus 2012 oder früher.

Es gibt allerdings zahlreiche Ausnahmen, die auch nach Ablauf der Aufbewahrungspflicht einer Vernichtung entgegenstehen. So dürfen die o.g. Unterlagen dann nicht vernichtet werden, wenn sie

  • für eine begonnene Außenprüfung,
  • für anhängige steuerstraf- oder bußgeldrechtliche Ermittlungen,
  • für ein schwebendes oder wegen einer Außenprüfung zu erwartendes Rechtsbehelfsverfahren,
  • zur Begründung von Anträgen beim Finanzamt,
  • bei vorläufigen Steuerfestsetzungen oder
  • für Vorsteuerberichtigungstatbestände

von Bedeutung sind.

Sind die Aufbewahrungsfristen bereits abgelaufen oder sprechen keine anderen Gründe gegen eine Vernichtung, kann es trotzdem sinnvoll sein, die Unterlagen länger aufzubewahren, etwa, wenn aktuell relevante Vorgänge, deren Ursachen weit zurückliegen, nachvollzogen werden müssen. Außerdem gibt es zahlreiche Einzelgesetze und Verordnungen außerhalb der steuerlichen Aufbewahrungspflichten, wie etwa im Bereich des Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes, die eine Aufbewahrung vorschreiben. 

Interne Aufzeichnungen, wie etwa Kalender oder Arbeitsberichte, sind nicht aufbewahrungspflichtig. Ob und wie lange diese Unterlagen aufzubewahren sind, richtet sich allein nach der innerbetrieblichen Notwendigkeit.

Hinweis:

Bilanzierende müssen eine Rückstellung für ihre Aufbewahrungspflichten bilden.

Nicht aufbewahrungspflichtig sind Unterlagen außerhalb der Buchführungs- und Aufzeichnungspflicht. Das betrifft vor allem Steuerpflichtige mit Überschusseinkünften, wie etwa Vermietungseinkünften, Kapitaleinkünften sowie Arbeitnehmer oder Rentner. Aber auch Belege im Zusammenhang mit Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen sind nicht aufbewahrungspflichtig. Werden diese nach der Veranlagung vom Finanzamt zurückgeschickt, kann der Steuerpflichtige sie anschließend vernichten. Das gilt auch, wenn die Steuer unter dem Vorbehalt der Nachprüfung festgesetzt wurde. Werden die Daten der Steuererklärung mit dem Programm ELSTER übermittelt, sind die Belege bis zum Eintritt der Bestandskraft/Rechtskraft bzw. bis zur Aufhebung des Vorbehalts der Nachprüfung aufzubewahren.

Hinweis:

Eine gesonderte Aufbewahrungspflicht trifft alle Steuerpflichtigen mit Überschusseinkünften von mehr als 500.000 € im Kalenderjahr. Die erstmals ab 2010 eingeführte 6-jährige Aufbewahrungspflicht umfasst die Aufzeichnungen und Unterlagen für diese Überschusseinkünfte und ist ab Beginn des Kalenderjahres zu erfüllen, nach dem die Summe überschritten wurde.

Eine weitere Besonderheit gibt es für private Auftraggeber, die Leistungen von Unternehmern im Zusammenhang mit einem Grundstück beziehen (z.B. Bauleistungen, Instandhaltungsarbeiten in und an Gebäuden, die Vermietung von Containern sowie Architektenleistungen, die Leistungen von Gärtnern und Reinigungsfirmen). Die Rechnungen müssen 2 Jahre aufbewahrt werden. Die Frist beginnt am Schluss des Jahres, in dem die Rechnung ausgestellt wurde.

Hinweis:

Lieferscheine wurden von der sechsjährigen Aufbewahrungspflicht ausgenommen. Diese können nun vernichtet werden, wenn die Rechnung eingegangen ist, bzw. versendet wurde. Ist der Lieferschein jedoch Rechnungsbestandteil, weil die Rechnung auf den Lieferschein Bezug nimmt, ist dieser zusammen mit der Rechnung aufzubewahren.

Neue Sachbezugswerte ab 2019

Nach der neuen Verordnung zur Änderung der Sozialversicherungsentgeltverordnung werden auch 2019 die amtlichen Sachbezugswerte entsprechend der Entwicklung der Verbraucherpreise angehoben. Jegliches Arbeitsentgelt, das nicht in Form von Geld ausgezahlt wird, gehört zu den Sachbezügen. Gemeint sind damit aber nicht nur Waren, sondern auch die Gewährung von Kost und Logis. Die folgenden Tabellen geben die dafür maßgeblichen Sachbezugswerte für 2019 wieder. Diese müssen sowohl im Steuerrecht für die Lohnsteuer als auch sozialversicherungsrechtlich bei der Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge beachtet werden.

 

Sachbezugswerte für freie Verpflegung 2019

Personenkreis

Frühstück

Mittagessen

Abendessen

Summe

EUR

EUR

EUR

EUR

volljährige Arbeitnehmer

 mtl

53,00

99,00

99,00

251,00

 ktgl

1,77

3,30

3,30

8,37

Jugendliche und Auszubildende

 mtl

53,00

99,00

99,00

251,00

 ktgl

1,77

3,30

3,30

8,37

volljährige
Familienangehörige

 mtl

53,00

99,00

99,00

251,00

 ktgl

1,77

3,30

3,30

8,37

Familienangehörige unter 18

 mtl

42,40

79,20

79,20

200,80

 ktgl

1,42

2,64

2,64

6,70

Familienangehörige unter 14

 mtl

21,20

39,60

39,60

100,40

 ktgl

0,71

1,32

1,32

3,35

Familienangehörige unter 7

 mtl

15,90

29,70

29,70

75,30

 ktgl

0,53

0,99

0,99

2,51

 

Sollen die Sachbezugswerte für einen Teil-Entgeltsabrechnungszeitraum ermittelt werden, müssen die jeweiligen Tagesbeträge mit der Anzahl der Kalendertage multipliziert werden. Im Übrigen sind die Werte für Familienangehörige anzusetzen, wenn die Verpflegung nicht nur dem Beschäftigten, sondern auch seinen nicht bei demselben Arbeitgeber beschäftigten Angehörigen gewährt wird. Sind Ehegatten bei demselben Arbeitgeber beschäftigt, sind die Werte für die Verpflegung der Kinder bei jedem Ehegatten zur Hälfte anzusetzen.

 

Sachbezugswerte für freie Unterkunft 2019

Sachverhalt

Unterkunft
allgemein

Aufnahme im Arbeitgeberhaushalt/
Gemeinschafts-unterkunft

Unterkunft belegt mit

EUR

EUR

Volljährige Arbeitnehmer

1 Beschäftigten

 

 mtl

231,00

196,35

 ktgl

7,70

6,55

2 Beschäftigten

 mtl

138,60

103,95

 ktgl

4,62

3,47

3 Beschäftigten

 mtl

115,50

80,85

 ktgl

3,85

2,70

mehr als 3 Beschäftigten

 mtl

92,40

57,75

 ktgl

3,08

1,93

Jugendliche und Auszubildende

1 Beschäftigten

 mtl

196,35

161,70

 ktgl

6,55

5,39

2 Beschäftigten

 mtl

103,95

69,30

 ktgl

3,47

2,31

3 Beschäftigten

 mtl

80,85

46,20

 ktgl

2,70

1,54

mehr als 3 Beschäftigten

 mtl

57,75

23,10

 ktgl

1,93

0,77

 

Eine Aufnahme in den Arbeitgeberhaushalt ist immer dann gegeben, wenn der Arbeitnehmer sowohl in die Wohnungs- als auch in die Verpflegungsgemeinschaft des Arbeitgebers aufgenommen wird. Wird dem Arbeitnehmer ausschließlich eine Unterkunft zur Verfügung gestellt, ist der ungekürzte Unterkunftswert anzusetzen. Gemeinschaftsunterkünfte sind z.B. Lehrlings- oder Schwesternwohnheime. Charakteristisch dafür sind Wasch- und Duschräume oder Toiletten, die gemeinschaftlich genutzt werden.

Für die Zurverfügungstellung einer freien Wohnung gibt es keinen amtlichen Sachbezugswert. Unter Wohnung versteht man eine geschlossene Einheit von Räumen mit Wasserversorgung, Kochgelegenheit und WC, während bei Mitbenutzung von Bad, Toilette und Küche lediglich eine Unterkunft vorliegt. Dasselbe gilt, wenn mehreren Arbeitnehmern eine Wohnung zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung gestellt wird. Wird vom Arbeitgeber eine Wohnung überlassen, muss als Sachbezug die ortsübliche Miete angesetzt werden. Wenn die Ermittlung des ortsüblichen Mietpreises mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten verbunden ist, kann er mit 4,05 €/m² angesetzt werden. Bei einfacher Ausstattung (ohne Sammelheizung oder ohne Bad/Dusche) werden 3,31 €/m² zugrunde gelegt.

Hinweis:

Der Gesamtsachbezugswert bei voller Verpflegung und Einzelunterbringung eines Erwachsenen beträgt damit 482 € (2018: 472 €). 

Die neuen Sachbezugswerte sind für Lohnabrechnungen ab Januar 2019 zu berücksichtigen.

Quelle: Zehnte Verordnung zur Änderung der Sozialversicherungsentgeltverordnung  vom 06. September 2018, BR-Drs. 436/18,  www.bundesrat.de

Rechengrößen und Beitragssätze in der Sozialversicherung 2019

Wie in jedem Jahr werden auch für 2019 die Beitragsbemessungsgrenzen sowie die Sozialversicherungssätze in 2019 angepasst.

In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wird die Beitragsbemessungsgrenze in den alten und neuen Bundesländern ab 2019 auf 54.450 € im Jahr (Vorjahr: 53.100 €) bzw. 4.537,50 € im Monat (Vorjahr: 4.425 €) festgesetzt. Gesetzlich Versicherte, deren Verdienst über dieser Grenze liegt, müssen mit höheren Beiträgen rechnen und ihre Arbeitgeber mit steigenden Beitragszuschüssen. 

Bis zum Erreichen der Jahresarbeitsentgeltgrenze ist jeder Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Berücksichtigt wird immer das komplette Jahreseinkommen inkl. Sonderleistungen. Dieser Grenzwert steigt gegenüber dem Vorjahr auf 60.750 € Jahresverdienst (Vorjahr: 59.400 €). 

In der Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze in den alten Bundesländern auf 6.700 € im Monat (2018: 6.500 €) bzw. 80.400 € im Jahr (2018: 78.000 €). Auch in den neuen Bundesländern steigen die Bemessungsgrenzen im nächsten Jahr in den beiden Versicherungszweigen. Der Wert liegt dann bei 6.150 € im Monat (2018: 5.800 €) und 73.800 € im Jahr (2018: 69.600 €).

Hinweis:

Durch die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen werden die Sozialversicherungsbeiträge besonders für Besserverdienende deutlich teurer. Die Zusatzbelastung wird teilweise durch die Steuerersparnis infolge der Berücksichtigung der Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben kompensiert.

Die Bezugsgröße gemäß § 18 SGB IV ist eine wichtige Rechengröße für zahlreiche Werte der Sozialversicherung. So beeinflusst die Bezugsgröße z.B. die Höhe der Mindestbeiträge für freiwillig gesetzlich Versicherte, etwa für Selbstständige. Im Geltungsbereich West steigt die Bezugsgröße auf 3.115 € monatlich und 37.380 € jährlich. Im Jahr 2018 betrugen diese Werte noch 3.045 € im Monat bzw. 36.540 € im Jahr. Im Geltungsbereich Ost wird die Bezugsgröße für die Renten- und Arbeitslosenversicherung auf 2.870 € im Monat bzw. 34.440 € im Jahr festgesetzt (2018: 2.695 € im Monat und 32.340 € im Jahr).

Die Beitragssätze in der gesetzlichen Sozialversicherung bleiben gegenüber dem Vorjahr stabil. Während der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung um 0,5 % gesenkt wurde, wurde der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,5 % erhöht.

Die Beitragssätze in 2019 betragen somit:

  • Rentenversicherung          18,60 %
  • Arbeitslosenversicherung    2,50 %
  • Pflegeversicherung             3,05 %
  • Kinderlose                          3,30 %
  • Krankenversicherung       14,60 %
  • davon Arbeitnehmeranteil   7,30 %
  • und Arbeitgeberanteil        7,30 %

Hinweis:

Zusätzlich zu den allgemeinen Krankenversicherungsbeiträgen können die Krankenkassen individuell noch einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben. Dieser wurde bis 2018 alleine von den Arbeitnehmern getragen. Ab 2019 wird dieser je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern übernommen.  

Die Künstlersozialabgabe bleibt unverändert bei 4,2 %.

Betrieblicher Schuldzinsenabzug

Entnimmt ein Unternehmer seinem Betrieb mehr Mittel als er einlegt und Gewinn erwirtschaftet, liegt eine sogenannte „Überentnahme“ vor, mit der Folge, dass seine betrieb­lichen Schuldzinsen nur beschränkt steuerlich abziehbar sind. In einem solchen Fall werden pauschal 6 % der Überentnahme dem steuerpflichtigen Gewinn hinzugerechnet. In die Berechnung gehen auch die Über- und Unterentnahmen des Vorjahres saldierend ein. Durch diesen Rechenschritt wird die steuermindernde Wirkung der zuvor in voller Höhe als Betriebsausgaben gebuchten Zinsaufwendungen teil­weise wieder aufgehoben.

In einem aktuellen Schreiben hat das Bundesfinanzministerium (BMF) nun seine Verwaltungsauffassung zum betrieblichen Schuldzinsenabzug an die zwischenzeitlich ergangene BFH-Rechtsprechung angepasst.

Das BMF weist darauf hin, dass der Regelung nur betrieblich veranlasste Schuldzinsen unterliegen. Dies erfordert insofern eine zweistufige Prüfung:

  • in einem ersten Schritt ist zu ermitteln, ob und inwieweit Schuldzinsen überhaupt zu den betrieblich veranlassten Aufwendungen gehören und
  • in einem zweiten Schritt muss geprüft werden, ob der Betriebsausgabenabzug wegen Überentnahmen eingeschränkt ist.

 

Prüfungsschritt 1:

Liegen betrieblich veranlasste Schuldzinsen vor?

Schuldzinsen sind zunächst anhand des tatsächlichen Verwendungszwecks der Darlehens­mittel der Erwerbs- oder der Privatsphäre zuzuordnen. Dabei sind die vom BFH entwickelten Grundsätze zur betrieblichen Veranlassung von Schuldzinsen zu beachten.

Keine betriebliche Veranlassung liegt vor, wenn ein Darlehen zur Finanzierung außerbetrieblicher Zwecke (insbesondere von Entnahmen) aufgenommen wird. Besondere Anforderungen sind hier dann zu beachten, wenn der Unternehmer ein einheitliches (gemischtes) Konto­korrentkonto nutzt, über das er den betrieblich und den privat veranlassten Zahlungsverkehr abwickelt.

Hinweis:

Im Falle eines einheitlichen Kontokorrentkontos muss der Sollsaldo für die Ermittlung der als Betriebsausgaben abziehbaren Schuldzinsen grundsätzlich aufgeteilt werden.

 

Prüfungsschritt 2:

Liegen Überentnahmen vor?

Wenn die Entnahmen höher sind als die Summe aus Gewinn und Einlagen des Wirtschaftsjahres, liegen grundsätzlich Überentnahmen vor, sodass der Abzug betrieblich veranlasster Schuldzinsen eingeschränkt ist. Maßgebend ist der steuerliche Gewinn unter Berücksichtigung außerbilanzieller Hinzurechnungen.

Zum Gewinn gehören u.a. auch

  • Übergangsgewinne,
  • steuerfreie Gewinne,
  • Gewinne aus der Veräußerung oder Aufgabe eines Betriebs.

Zu den Entnahmen gehören auch

  • Überführungen von Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens in das Privatvermögen anlässlich einer Betriebs­aufgabe sowie
  • der Erlös aus der Veräußerung eines Betriebs, soweit er in das Privatvermögen überführt wird.

Hinweis:

Soweit es sich um Betriebe handelt, die vor dem 1. Januar 1999 eröffnet worden sind, finden hiervon abweichende Regelungen Anwendung.

 

Die Überführung oder Übertragung von Wirtschaftsgütern aus einem Betriebsvermögen in ein anderes Betriebsvermögen ist als Entnahme bzw. als Einlage zu behandeln – auch wenn dieser Vorgang zu Buchwerten erfolgt.

Der unentgeltliche Übergang eines Betriebs oder eines Mitunternehmeranteils führt beim bisherigen Betriebsinhaber bzw. Mitunternehmer nicht zu Entnahmen und beim Übernehmer nicht zu entsprechenden Einlagen. Allerdings gehen die beim bisherigen Inhaber entstandenen Über- oder Unterentnahmen sowie der kumulierte Entnahme­überschuss auf den Nachfolger über.

Ein Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten liegt vor, wenn ein Unternehmer kurzfristig Geldmittel in seinen Betrieb einlegt, nur um den beschränkten Abzug von Schuldzinsen zu umgehen.

Hinweis:

Bei den Ausführungen zur Ermittlung des Hinzurechnungsbetrags macht das BMF deutlich, dass eine Überentnahme auch dann vorliegt, wenn sie sich lediglich aus Überentnahmen vorangegangener Wirtschaftsjahre ergibt.

 

Ermittlung des Hinzurechnungsbetrags

Nach der Gesetzesnorm sind betrieblich veranlasste Schuldzinsen pauschal in Höhe von 6 % der Überentnahme des Wirtschaftsjahres zuzüglich der verbliebenen Überentnahme oder abzüglich der verbliebenen Unterentnahme des vorangegangenen Wirtschaftsjahres (kumulierte Überentnahme) zu nicht abziehbaren Betriebsausgaben umzuqualifizieren.

Hinweis:

Für die Berechnung der kumulierten Über- und Unterentnahmen ist die sogen. Totalperiode relevant. Die Totalperiode beginnt ab dem Zeitpunkt der Betriebseröffnung, frühestens aber ab dem 01.01.1999 – also dem Datum der Einführung der Regelung.

Dem Gewinn hinzuzurechnen ist der pauschal ermittelte Betrag, höchstens jedoch der um 2.050 € verminderte Betrag der im Wirtschaftsjahr angefallenen Schuldzinsen.

Schuldzinsen aus Investitionsdarlehen

Zinsen für Dar­lehen zur Finanzierung von Anschaffungs- und Herstellungskosten von Anlagevermögen (Investitionsdarlehen) sind von der Abzugsbeschrän­kung ausgenommen. Das gilt auch für Zinseszinsen von Investitionsdarlehen.

Nicht begünstigt sind dagegen Schuldzinsen, die auf die Finanzierung von Umlaufvermögen entfallen.

Hinweis:

Das BMF führt dazu aus, dass es nicht erforderlich ist, dass für Investitionsdarlehen ein gesondertes Darlehen aufgenommen wird. Ob begünstigte Schuldzinsen vorliegen, ist ausschließlich nach der Verwendung der Dar­lehensmittel zu bestimmen. Soweit die Inves­tition über ein betriebliches Kontokorrentkonto abgewickelt wird, ist hier ein Zeitraum von 30 Tagen vor und nach Auszahlung der Darlehensmittel von besonderer Bedeutung.

Aber Achtung! Eine Verwendung der Darlehensmittel zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens scheidet aus, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten im Zeitpunkt der Verwendung der Darlehensmittel bereits abschließend finanziert waren und die erhaltenen Darlehensmittel lediglich das eingesetzte Eigenkapital wieder auffüllen.

Die Regelungen gelten auch bei Mitunternehmerschaften.

Das BMF weist daraufhin, dass in Umwandlungsfällen die Grundsätze für Betriebsauf­gaben und Betriebsveräußerungen nicht gelten und geht unter diesem Gliederungspunkt auf die Besonderheiten bei der Einbringung in eine Personengesellschaft und der Einbringung in eine Kapitalgesellschaft ein.

Anwendung auf Gewinnermittlungsarten

Die vorgenannten Grundsätze gelten nicht nur für bilanzierende Unternehmer, sondern auch für Einnahmeüberschussrechner. Ab dem Jahr 2000 müssen sie alle Entnahmen und Einlagen gesondert aufzeichnen.

Hinweis:

Das neue BMF-Schreiben ist grundsätzlich in allen offenen Fällen anwendbar.

Quelle: BMF-Schreiben vom 2. November 2018, IV C 6 - S 2144/07/10001 :007, NWB Dok-ID: XAAAG-99317