Unser Steuerbrief (06/2020)

Der Inhalt des Steuerbriefes wird von unserer Steuerabteilung selbst erstellt, um unsere Dauermandanten bestmöglich zu informieren.

Erscheinungsweise: monatlich.

Mit einem Klick auf die größer geschriebenen Überschriften gelangen Sie zu einer Leseprobe unseres Steuerbriefes.

Fristen und Termine


  • 1. Zahlungstermine für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge im Juni

Aktuelle Hinweise


Der Gesetzgeber versucht mit weiteren Maßnahmen, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Dazu gehören nunmehr auch:

 

Pauschaler Verlustrücktrag

Unternehmen, die coronabedingt in diesem Jahr mit einem Verlust rechnen, können ab sofort neben den bereits für 2020 geleisteten Vorauszahlungen auch eine Erstattung von für 2019 gezahlte Beträge bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen, und zwar auf Grundlage eines pauschal ermittelten Verlustes für das aktuelle Jahr. Von einer Betroffenheit wird regelmäßig ausgegangen, wenn die Vorauszahlungen für 2020 bereits auf null € herabgesetzt wurden. Der pauschal ermittelte Verlustrücktrag aus 2020 beträgt 15 % der maßgeblichen Einkünfte, die der Festsetzung der Vorauszahlungen für 2019 zugrunde gelegt wurden (max. eine Million € bzw. zwei Millionen € bei Zusammenveranlagung). Auf dieser Grundlage werden die Vorauszahlungen für 2019 neu berechnet. Eine Überzahlung wird erstattet. Wenn das Unternehmen wider Erwarten im Jahr 2020 doch Gewinn macht, kommt es zur Rückzahlung. Solange das Unternehmen Verluste ausweist, muss nicht zurückgezahlt werden.

 

Verlängerung der Erklärungsfrist für vierteljährliche und monatliche LSt-Anmeldungen

Arbeitgebern kann die Frist zur Abgabe der monatlichen oder vierteljährlichen Abgabe der Lohnsteueranmeldungen im Einzelfall auf Antrag verlängert werden, soweit sie selbst oder der mit der Lohnbuchhaltung und Lohnsteuer-Anmeldung Beauftragte nachweislich unverschuldet daran gehindert sind, die Lohnsteuer-Anmeldungen pünktlich zu übermitteln. Die Fristverlängerung darf maximal 2 Monate betragen. Dies entspricht faktisch einer Steuerstundung bei der Lohnsteuer, die eigentlich nicht möglich ist.

 

Fristverlängerungen für Umsatzsteuervoranmeldungen

Auf Antrag wird allen in Hessen von Corona betroffenen Steuerpflichtigen die Abgabe- und Zahlungsfrist für die zum 10. April 2020 und zum 10. Mai 2020 abzugebenden Umsatzsteuervoranmeldungen um jeweils zwei Monate verlängert.

 

Steuersatz in der Gastronomie

Verzehrfertig zubereitete Speisen können sowohl eine mit 7 % zu besteuernde Lieferung (z.B. Speisen zum Mitnehmen) als auch eine zu 19 % zu besteuernde sonstige Leistung (z.B. Verzehr im Restaurant) sein. Mit Wirkung vom 1. Juli 2020 wird der Steuersatz in der Gastronomie für 1 Jahr befristet von bisher 19 % auf 7 % gesenkt. Die Senkung gilt aber nicht für Getränke.

 

Übungsleiterfreibetrag

Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand oder mit einem ruhenden Beschäftigungsverhältnis (z.B. Elternzeit), die infolge der Corona-Krise für ein Gesundheitsamt oder ein staatliches oder gemeinnütziges Krankenhaus Patienten versorgen, können den Übungsleiterpauschbetrag in Anspruch nehmen. Daher sind die Einnahmen aus dieser Tätigkeit bis zu 2.400 € im Kalenderjahr steuerfrei, wenn die regelmäßige Wochenarbeitszeit nicht mehr als 14 Stunden beträgt und der Auftraggeber eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist.

 

Kinderbetreuung

Bereits heute können unter bestimmten Voraussetzungen Zahlungen des Arbeitgebers bis zu 600 € p.a. steuerfrei bleiben. Das Vorliegen eines zusätzlichen Betreuungsbedarfs wird jetzt unterstellt, wenn Arbeitnehmer aufgrund der Corona-Krise zu außergewöhnlichen Dienstzeiten arbeiten oder die Regelbetreuung durch Schulen o.ä. weggefallen ist.

 

Vereinfachter Spendennachweis

Das Finanzministerium hat Erleichterungen beim Zuwendungsnachweis sowie bei Zuwendungen aus dem Betriebsvermögen eingeräumt. Zudem gibt es Erleichterungen bei Spendenaktionen von steuerbegünstigten Körperschaften, die derartige Zwecke nicht in ihrer Satzung enthalten haben sowie zu Arbeitslohnspenden. Das umfangreiche BMF Schreiben finden Sie auf der Homepage des Bundesfinanzministeriums.

 

Umsatzsteuerfreiheit bei unentgeltlicher Überlassung von Schutzkleidung

Überlassen Unternehmen unentgeltlich medizinischen Bedarf oder Personal für medizinische Zwecke, fällt aus Billigkeitsgründen bis zum 31. Dezember 2020 keine Umsatzsteuer an.

 

Übergangsregelung bei der Umsatzsteuer

Die bisherige Übergangsregelung zur Umsatzsteuerpflicht für juristische Personen des öffentlichen Rechtes, beispielsweise Jagdgenossenschaften, wird bis zum 31. Dezember 2022 verlängert.

 

Sonderregelung für Grenzpendler

Grenzpendler, die normalerweise täglich von ihrem Wohnsitz aus in einen anderen Staat zur Arbeit pendeln und die nun von Ausgangsbeschränkungen betroffen sind, sollen nicht durch einen ungewollten Wechsel des Besteuerungsrechtes betroffen sein.

 

Lohnfortzahlung Kinderbetreuung

Für Sorgeberechtigte, die wegen der Betreuung ihrer Kinder vorübergehend nicht arbeiten können, gibt es einen Entschädigungsanspruch. Die neue Vorschrift des § 56 Abs. 1a Infektionsschutzgesetz gewährt erwerbstätigen Sorgeberechtigten, die ihre Kinder infolge der behördlichen Schließung oder eines Betretungsverbots von Kinderbetreuungseinrichtungen, wie Kita oder Schule, selbst betreuen müssen, weil sie keine anderweitige zumutbare Betreuungsmöglichkeit sicherstellen können und deshalb einen Verdienstausfall erleiden, einen Entschädigungsanspruch. Die Auszahlung der Entschädigung übernimmt bei Arbeitnehmern der Arbeitgeber. Dieser kann seinerseits bei der von den Ländern bestimmten zuständigen Behörde (in Hessen: Gesundheitsamt) einen Erstattungsantrag stellen. Die zu betreuenden Kinder dürfen das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ein Anspruch während der Schuloder Kita-Ferien besteht nicht. Die Entschädigung beträgt 67 % des entstandenen Verdienstausfalls des betroffenen Sorgeberechtigten, höchstens 2.016 € monatlich für einen vollen Monat. Die Zahlung kann für max. 6 Wochen erfolgen. Die gesetzliche Regelung gilt ab dem 30. März 2020 bis längstens zum 31. Dezember 2020. Die Sozialversicherungsbeiträge werden auf einer Bemessungsgrundlage von 80 Prozent des Arbeitsentgelts berechnet. Über den Anspruch entscheidet die Behörde.

 

Anhebung und Steuerfreiheit beim Kurzarbeitergeld

Bis Jahresende soll das Kurzarbeitergeld gestaffelt bis auf 80 bzw. 87 % angehoben werden.
Entsprechend der sozialversicherungsrechtlichen Behandlung werden Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld bis 80 % des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt steuerfrei gestellt.

 

Micro-Kredite der WI-Bank

Kleine Unternehmen mit maximal 50 Mitarbeitern (Vollzeitstellen) und Soloselbständige, die zusätzlichen Liquiditätsbedarf haben, können einen sogenannten Micro-Kredit über die WI-Bank beantragen, wenn die Hilfe coronabedingt und zur Fortführung der unternehmerischen Tätigkeit zwingend erforderlich ist.
Finanziert werden alle Betriebsmittel für die Aufrechterhaltung der Tätigkeit bzw. die Überbrückung des Zeitraumes bis zur Wiederaufnahme derselben. Die Finanzierungsmittel dürfen ausschließlich für diesen Zweck verwendet werden. Je Antragstellendem kann ein Darlehen in Höhe von 3.000 bis 35.000 € beantragt werden. Das Kreditvolumen soll sich an dem Liquiditätsbedarf für 6 Monate ab dem 13. März 2020 orientieren. Die Laufzeit des Darlehens beträgt 7 Jahre, hiervon sind die ersten 2 Jahre tilgungsfrei. Für das Darlehen wird ein Festzinssatz für die gesamte Darlehenslaufzeit vereinbart. Der Zinssatz beträgt 0,75% p.a. Eine vorzeitige teilweise oder vollständige Rückzahlung ist ohne weitere Kosten (z.B. Vorfälligkeitsentschädigung) möglich. Teilrückzahlungen müssen in Höhe von mindestens 20 % der ursprünglichen Darlehenssumme erfolgen. Die WI-Bank kann einen Verzicht auf Rückzahlung von Teilbeträgen des Darlehens von bis zu 50 % des ursprünglichen Darlehensbetrages aussprechen, sofern die Kreditnehmenden durch Vorlage ihrer Steuerbescheide für das Jahr 2020 Geschäftsunterbrechungen und Umsatzausfälle von nicht geringer Höhe/Dauer nachweisen und diese sich aus der Corona-Krise zwingend ergeben haben. Weitere Informationen unter folgender Internetadresse der WI-Bank. Die Antragstellung erfolgt über ein online-Portal.

Werden anlässlich der Corona-Krise vom Arbeitgeber an die Beschäftigten Bonus- oder Sonderzahlungen geleistet, sind diese bis zu 1.500 € steuer- und sozialversicherungsfrei. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Arbeitnehmer zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 erhalten. Auch Sachleistungen sind möglich. Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. In seinen neuen FAQ hat sich das Bundesfinanzministerium zu weiteren Einzelheiten geäußert:

  • Arbeitgebern steht es danach z.B. frei, anstelle eines freiwilligen, arbeitgeberseitigen Zuschusses zum Kurzarbeitergeld eine steuerfreie Corona-Beihilfe zu zahlen – unter Einhaltung der weiteren Voraussetzungen. Allerdings ist erforderlich, dass aus den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennbar ist, dass es sich um steuerfreie Beihilfen und Unterstützungen zur Abmilderung der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Krise handelt und die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Gleiches gilt auch für andere Sonderzahlungen, wenn der Anspruch nicht tatsächlich vor dem 1. März entstanden bzw. begründet wurde. Auch eine Erholungsbeihilfe kann hierunter gefasst werden. Gleiches gilt, wenn geleistete Überstunden ausgeglichen werden, auf die kein Auszahlungsanspruch bestand.
  • Leistungsprämien können allerdings nicht umgewandelt werden.
  • Auch Minijobber können profitieren, denn diese steuerfreien Beihilfen oder Unterstützungen zählen nicht zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt. Eine Angemessenheitsprüfung ist nicht vorzunehmen. Bei Arbeitsverhältnissen unter nahen Angehörigen muss allerdings die Gewährung einer solchen Beihilfe oder Unterstützung auch unter Fremden üblich sein.
  • Bei Gesellschafter-Geschäftsführern ist allerdings Vorsicht geboten.
  • Im Rahmen von Abfindungsvereinbarungen kann der Betrag jedoch genutzt werden.
  • Der Betrag von insgesamt bis zu 1.500 € kann pro Dienstverhältnis ausgeschöpft werden.
  • Andere Steuerbefreiungen, Bewertungsvergünstigungen oder Pauschalierungsmöglichkeiten können daneben genutzt werden.

 

HINWEIS:

Nur zusätzliche Zahlungen zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn im Zusammenhang mit der Corona- Krise sind begünstigt. Ein Gehaltsverzicht oder Gehaltsumwandlungen sind ausgeschlossen. Gleiches gilt für Sonderzahlungen, die vor dem 1. März 2020 ohne einen Bezug zur Corona-Krise vereinbart wurden. Die steuerfreien Zuwendungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen.

Quelle: FAQ „Corona“ (Steuern) vom 30. April 2020, www.bundesfinanzminsiterium.de

Das Land Hessen fördert nun auch von der Corona-Pandemie betroffene Vereine. Wirtschaftliche Vereine konnten bisher schon von den Corona-Soforthilfen profitieren und bei Vorliegen der Voraussetzungen auch Kurzarbeit beantragen.

Für ideelle Vereine bzw. für den ideellen Bereich von Vereinen, die hiervon bisher nicht profitieren konnten, kann ab dem 1. Mai 2020 ebenfalls Unterstützung beantragt werden. Das Programm dient zur Abwendung der pandemiebedingten existenzbedrohlichen Engpässe im ideellen Bereich. Mittel können beispielsweise beantragt werden für

  • Mieten / Betriebskosten (Wasser, Strom, weitere Nebenkosten);
  • Instandhaltungen;
  • Kosten für bereits in Auftrag gegebene und durch die Pandemie abgesagte Projekte (Storno- und Reisekosten, Ausfallhonorare, Werbung und Sachkosten o.ä.).

Finanzielle Notlagen, die bereits vor dem 11. März bestanden haben, werden nicht abgedeckt.
Berechtigt sind neben den Sportvereinen (Antragstellung bei corona-vereinshilfe@sport.hessen.de) auch Kulturvereine, Spielstätten, Festivals, Laienensembles als auch Vereine, Initiativen und Organisationen, die sich in anderen gesellschaftlichen Bereichen engagieren. Dazu gehören beispielsweise Naturschutzvereinigungen, Jägervereinigungen, Wildparke, Tiergärten, Angel- und Fischereivereine, Naturparkvereine, Zoos, Nachbarschaftshilfe und Landfrauen sowie Dach- und Fachverbände der Kindertagesbetreuung oder der Hessische Jugendring.
In Abhängigkeit von den Gesamtausgaben und der finanziellen Belastung des Vereins bzw. Verbands werden durch Nachweis Billigkeitsleistungen in Höhe von bis zu 10.000 € pro Antragsteller gewährt. Zuständig für die Anträge sind die jeweiligen Ministerien (Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (corona-vereinshilfe@hmwk.hessen.de) sowie das Hessische Ministerium für Soziales (corona-vereinshilfe@ hsm.hessen.de).
Besteht ein Verein sowohl aus einem ideellen als auch wirtschaftlichen Geschäfts- und Zweckbereich und ist in beiden Bereichen im Rahmen der Corona-Virus-Pandemie von einem existenzbedrohlichen Liquiditätsengpass bedroht, dann kann ein Verein jeweils einen Antrag auf Gewährung finanzieller Hilfe nach dieser Richtlinie und dem Corona-Soforthilfeprogramm stellen.

 

HINWEIS:

Auch Thüringen bietet Unterstützungsmaßnahmen für gemeinnützige Organisationen. Alle Voraussetzungen zur Beantragung der Soforthilfe finden Sie unter www.gfaw-thueringen.de/corona-soforthilfe. Die Anträge auf Gewährung sind bis zum 31.Mai 2020 an die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen (GFAW) zu richten, die die Anträge prüft und bearbeitet. Die Bewilligung erfolgt durch die Thüringer Aufbaubank (TAB). Hier sind 9.000 € bis 30.000 € je nach Einzelfall als nicht rückzahlbarer Zuschuss möglich.

Unternehmer


  • 5. Datenschutzbeauftragter ist gewerblich tätig
  • 6. USt-Voranmeldungen durch selbstständige Buchhalter?

Erbschaftssteuer


  • 7. Beginn der Hinterziehungszinsen bei Steuerhinterziehung

Sonstiges


  • 8. Windkraft: Zahlungen an Eigentümer als sonstige Einkünfte
  • 9. Wahlkampfkosten nicht abziehbar
  • 10. Weiterverkauf von UEFA-Tickets
  • 11. Grunderwerbsteuer für Mobilheim auf Campingplatz
  • 12. Erlass von Nachzahlungszinsen

Landwirtschaft


Das land- und forstwirtschaftliche Regelwirtschaftsjahr 2019/2020 geht am 30. Juni 2020 zu Ende. Wegen des vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahres in der Landund Forstwirtschaft wird der Gewinn eines Wirtschaftsjahres auf zwei Kalenderjahre verteilt. So entfällt bspw. beim Regelwirtschaftsjahr die Hälfte des Gewinns/Verlustes des Wirtschaftsjahres 2019/2020 auf den Veranlagungszeitraum 2019. Es stellt sich die Frage, ob Gestaltungen auf betrieblicher Ebene noch in Angriff genommen oder ob sie in das Wirtschaftsjahr 2020/2021 verschoben werden sollten. Hierbei sind außerdem die Auswirkungen der Corona-Krise zu berücksichtigen, die auch bei landwirtschaftlichen Betrieben ihre Spuren hinterlässt.

 

HINWEIS:

Auch landwirtschaftliche Betriebe können steuerliche und andere Corona-Beihilfen grundsätzlich in Anspruch nehmen. Wir unterstützen Sie gerne, z.B. bei der Antragstellung für die Herabsetzung- und Stundung von Steuern oder die Bereitstellung von Unterlagen o.ä. Zudem bringt der Gesetzgeber noch weitere steuerliche Erleichterungen auf den Weg. Schauen Sie dazu aktuell auch immer auf unsere Homepage.

 

Ziel sollte sein, ein gleichmäßiges Einkommen zu erreichen, um die Steuerprogression zu mildern und die Steuerbelastung sowohl für das aktuelle Jahr als auch für die Zukunft optimal zu gestalten. Daneben können auch Steuerstundungseffekte, u.U. zur Sicherstellung der Liquidität, erzielt werden. Grundlage für eine solche Steuerplanung ist eine Gewinn- bzw. Ergebnisvorschau (Planungsrechnung).

 

Welche Maßnahmen sind bis zum 30. Juni 2020 denkbar?

Wer bereits für das nächste Wirtschaftsjahr Investitionen plant, kann überlegen, diese Investition vorzuziehen oder zu verschieben. Aus steuerlicher Sicht ergeben sich daraus Gewinnauswirkungen. So können pauschalierende Landwirte die zu zahlende Umsatzsteuer sofort als Betriebsausgabe abziehen, wenn eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt. Gewinnmindernd wirkt ggf. auch die (zeitanteilige) Abschreibung.

 

Sonderabschreibungen

Werden bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens angeschafft, darf unter bestimmten Voraussetzungen neben der linearen Abschreibung zusätzlich eine Sonderabschreibung in Höhe von 20 % in Anspruch genommen werden. Das Wirtschaftsgut muss allerdings zu mindestens 90 % im Betrieb genutzt werden. Voraussetzung ist außerdem, dass der Wirtschaftswert bzw. Ersatzwirtschaftswert nicht mehr als 125.000 € beträgt, bei Landwirten, die ihren Gewinn durch Einnahme-Überschussrechnung ermitteln, darf der Gewinn alternativ nicht mehr als 100.000 € betragen.

 

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Geringwertige bewegliche Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 800 € können sofort abgeschrieben werden. Alternativ dazu gibt es auch die sog. Poolabschreibung.

 

Reparaturen durchführen

Sind in Ihrem Unternehmen dringend Instandsetzungsmaßnahmen an Gebäuden, Betriebsvorrichtungen oder Maschinen notwendig? Dann ist zu überlegen, ob die Reparaturen noch vor Ablauf des Wirtschaftsjahres durchgeführt werden sollen oder können. Werden anstehende Instandhaltungsaufwendungen im aktuellen Wirtschaftsjahr nicht mehr in Angriff genommen, so kommt die Bildung einer gewinnmindernden Rückstellung in Betracht, wenn die entsprechenden Maßnahmen im nächsten Wirtschaftsjahr in den ersten drei Monaten erledigt werden. Bewertung des vorhandenen Vermögens Befinden sich im Betriebsvermögen auch Wirtschaftsgüter, die keiner planmäßigen Abnutzung unterliegen, kommt für sie eine Gewinnminderung im Wege einer Teilwertabschreibung in Betracht. Die Wertminderung muss nicht nur voraussichtlich von Dauer sein, sie muss darüber hinaus auch am Ende eines jeden Wirtschaftsjahres nachgewiesen werden. Sonst muss die Teilwertabschreibung rückgängig gemacht werden.

 

HINWEIS:

Sie sollten prüfen, ob entsprechende Wertsteigerungen eingetreten sind, die eine Rückgängigmachung der Teilwertabschreibungen erforderlich machen!

 

Rücklagen

Reinvestitionsrücklagen oder sog. § 6b-/§ 6c-Rücklagen können gebildet werden, wenn bestimmte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, wie etwa Grund und Boden, Gebäude, Aufwuchs mit dem dazugehörenden Grund und Boden, Anteile an Kapitalgesellschaften, veräußert werden. Der Veräußerungsgewinn muss zunächst nicht versteuert werden, sondern darf in eine steuerneutrale Rücklage eingestellt werden. Sind solche Rücklagen bereits in der Bilanz enthalten, muss abgewogen werden, ob diese ggf. zuzüglich eines Zinszuschlags aufzulösen sind. Das wäre der Fall, wenn die Reinvestitionsfrist abgelaufen ist.

 

HINWEIS:

Werden im laufenden Jahr Verluste erzielt, kann die Rücklage - ggf. teilweise - zum Ausgleich des Verlustes aufgelöst werden.

 

Aktivierung Feldinventar?

Nach einer Billigkeitsregelung der Finanzverwaltung müssen Land- und Forstwirte ihr Feldinventar/ihre stehende Ernte bei jährlicher Fruchtfolge und selbst erzeugte nicht zum Verkauf bestimmte Vorräte (z.B. Futtervorräte) nicht bilanzieren. Der Landwirt kann jederzeit zur Aktivierung wechseln; er ist dann für die Zukunft allerdings an das Bewertungsverfahren gebunden. Je nach Liquiditätslage könnte in Verlustsituationen ein Übergang zur Aktivierung sinnvoll sein, um z.B. bestimmte Abzugsbeträge nicht verpuffen zu lassen.

 

Investitionsabzugsbetrag

Ein Gewinnminderungspotenzial bietet der Investitionsabzugsbetrag. Wer in den nächsten drei Wirtschaftsjahren in bewegliches abnutzbares Anlagevermögen investieren will, kann in Höhe von 40 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten einen Investitionsabzugsbetrag gewinnmindernd abziehen. Nutzen können dies land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einem Wirtschaftswert/Ersatzwirtschaftswert von max. 125.000 €:

  • Die Wirtschaftsgüter müssen noch mindestens ein Wirtschaftsjahr nach dem Jahr der Anschaffung zu mindestens 90 % im Betrieb genutzt werden.
  • Der Investitionsabzugsbetrag ist der Höhe nach auf insgesamt 200.000 € begrenzt.
  • Die Beträge sind zwingend elektronisch ans Finanzamt zu übermitteln.
  • Wird schließlich investiert, kann der in Anspruch genommene Investitionsabzugsbetrag gewinnerhöhend hinzuzugerechnet werden. Die Hinzurechnung kann jedoch vollständig kompensiert werden, indem im gleichen Jahr eine betragsgleiche Kürzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten aufwandswirksam vorgenommen wird.

 

HINWEIS:

Wird später nicht investiert oder fallen die Anschaffungskosten geringer aus als geplant, muss der Investitionsabzugsbetrag rückgängig gemacht werden. Dann wird rückwirkend der Steuerbescheid des Abzugsjahres geändert.

 

Schuldzinsenabzug sichern

Einzelunternehmer und Personengesellschaften können grundsätzlich ihre betrieblichen Schuldzinsen gewinnmindernd abziehen. Einschränkungen gibt es allerdings dann, wenn sich zum Bilanzstichtag Überentnahmen ergeben. Das ist der Fall, wenn die Entnahmen des laufenden Wirtschaftsjahres den Gewinn und die Einlagen übersteigen. Salden aus Vorjahren werden berücksichtigt. Trotz Überentnahmen gibt es keine Abzugsbeschränkungen für Schuldzinsen, die aus der Finanzierung von Anlagevermögen stammen. Noch vor Ende des Wirtschaftsjahres können in Fällen der Überentnahmen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, z.B. Entnahmen stoppen, Bar- oder Sacheinlagen leisten, Gewinne ins aktuelle Wirtschaftsjahr verlagern oder zukünftig verstärkt Anlagevermögen refinanzieren.

 

Vieheinheitengrenze prüfen

In Anbetracht der deutlichen Verbesserung der biologischen Leistungen der landwirtschaftlichen Nutztiere sollte die Einhaltung der Vieheinheitengrenze regelmäßig geprüft werden; nicht nur bei Kapazitätsausweitungen. Die Vieheinheitengrenzen betragen:

  • für die ersten 20 ha max. 10 VE/ha,
  • für die nächsten 10 ha max. 7 VE/ha,
  • für die nächsten 20 ha max. 6 VE/ha,
  • für die nächsten 50 ha max. 3 VE/ha,
  • jede weitere Fläche max. 1,5 VE/ha.

Für die Umrechnung der Tiere in Vieheinheiten sieht das Gesetz einen feststehenden Umrechnungsschlüssel vor. Bei einer (nachhaltigen) Überschreitung der Grenzen liegt eine gewerbliche Tierhaltung vor. Erhebliche finanzielle Nachteile können sich insbesondere bei der Umsatz-, Einkommen- und Grundsteuer ergeben. Außerdem können nachteilige außersteuerliche Folgen eintreten.

 

HINWEIS:

Lassen Sie regelmäßig von uns Ihre Vieheinheitengrenze kontrollieren. Beabsichtigen Sie, Ihre Viehhaltung dauerhaft auszuweiten, sollten im Vorfeld geeignete Maßnahmen, z.B. Betriebsteilung oder die Gründung einer Viehhaltungskooperation nach § 51a BewG, ergriffen werden.

 

Thesaurierungsbegünstigung

Steuerpflichtige können nicht entnommene betriebliche Gewinne auf Antrag ganz oder teilweise mit einem Steuersatz von 28,25 % (mit Solidaritätszuschlag 29,8 %, ggf. zzgl. Kirchensteuer) versteuern. Voraussetzung ist, dass der Betrieb seinen Gewinn durch Bilanzierung ermittelt. Einzelunternehmer und auch Mitunternehmer einer Personengesellschaft, die zu mehr als 10 % beteiligt sind oder deren Gewinnanteil über 10.000 € liegt, können die Begünstigung in Anspruch nehmen. Die Thesaurierungsbegünstigung lohnt sich nur dann, wenn der persönliche Einkommensteuersatz des Unternehmers bzw. Mitunternehmers über 30 % liegt. Um das Risiko einer Nachversteuerung zu minimieren, sollte die Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung anhand des individuellen Entnahmeverhaltens sowie mit Blick auf den künftigen Werdegang des Unternehmens sorgfältig geplant werden.

 

Gewinnglättung

Unter Umständen muss in die Überlegungen zum Wirtschaftsjahresende auch noch die neue Gewinnglättungsvorschrift einbezogen werden, die erstmals für den Veranlagungszeitraum 2016 Anwendung finden sollte. Diese ist nun endlich von der EU-Kommission genehmigt worden. Jeder Landwirt sollte einen Antrag stellen, denn es kann nur zu einer Besserstellung kommen.

 

HINWEIS:

Wir sind Ihnen bei der Antragstellung - entweder zeitnah oder im Rahmen der nächsten Steuererklärung - gerne behilflich.

Eine Steuerpflichtige erwarb in 1995 eine ca. 0,75 ha große landwirtschaftliche Nutzfläche. Diese war noch an einen Landwirt verpachtet. Ihr Ehemann betrieb einen Gewerbebetrieb, in welchem er u.a. Gartengeräte veräußerte und reparierte.
Als das Pachtverhältnis später endete, nutzte er das Grundstück gelegentlich, um die Maschinen in seinem Betrieb auszuprobieren. Ab 1999 wurde die Fläche wiederum an einen weiteren, „dritten“ Landwirt verpachtet. Dennoch durfte der Ehemann dort weiterhin seine Maschinen ausprobieren. Dieses Grundstück wurde schließlich 2008 verkauft.
Die Finanzverwaltung ging davon aus, dass damit Betriebsvermögen veräußert worden war und versteuerte den Gewinn. Argumentiert wurde damit, das Grundstück sei notwendiges Betriebsvermögen des parzellenweise verpachteten Betriebes geworden.
Nach erfolglosem Einspruchsverfahren klagte die Steuerpflichtige hiergegen vor dem FG Köln und bekam Recht, was jetzt der BFH bestätigte.

  • Ist der Käufer eines Grundstücks Eigentümer eines im Ganzen verpachteten Betriebes und verpachtet er das Grundstück an seinen Betriebspächter, wird es notwendiges Betriebsvermögen.
  • Dasselbe gelte, wenn der Erwerber Eigentümer eines parzelliert verpachteten Betriebes ist und das Grundstück an einen seiner Pächter verpachtet.

Zwar habe die Steuerpflichtige hier das Grundstück im Hinblick auf eine mögliche Nutzung für den Gewerbebetrieb ihres Ehemannes erworben. Die Verpachtung erfolgte aber an einen Dritten und war nicht in die übrige Verpachtung miteinbezogen.
Die Steuerpflichtige wird den Veräußerungsgewinn also nicht versteuern müssen.

 

HINWEIS:

Beim Kauf eines landwirtschaftlichen Grundstückes ist also Vorsicht geboten: Will der Grundstückserwerber das Grundstück im Privatvermögen haben, so darf er es nicht selbst bewirtschaften. Im Falle der Verpachtung des Betriebes darf er es auch nicht dem Pächter des Betriebes oder bei parzellierter Verpachtung einem seiner Bestandspächter verpachten. Die Verpachtung muss vielmehr an einen Landwirt erfolgen, der bisher nicht Pächter oder nicht einer der Pächter des Betriebes ist.

Quelle: BFH-Urteil vom 19. Dezember 2019, VI R 53/16, BeckRS 2019, 40732

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